
Psychische Belastungen und seelische Erkrankungen können auf unterschiedliche Weise behandelt werden. In der Psychotherapie existieren verschiedene Therapieformen, die sich in Herangehensweise, Zielsetzung und theoretischem Hintergrund unterscheiden.
Diese Übersicht bietet dir eine strukturierte Orientierung über Arten der Psychotherapie, ihre Schwerpunkte und typische Einsatzbereiche. Sie dient als Einstieg und Entscheidungshilfe.
Überblick: Wie lassen sich Therapieformen einteilen?
Psychotherapeutische Verfahren lassen sich grob in drei Gruppen unterteilen:
- Anerkannte psychotherapeutische Verfahren
- Spezialisierte und ergänzende Ansätze
- Kreative und körperbezogene Methoden
Diese Einteilung erleichtert es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede besser zu verstehen.
1. Anerkannte psychotherapeutische Verfahren
Verhaltenstherapie
Die Verhaltenstherapie konzentriert sich auf aktuelle Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster. Ziel ist es, belastende Gewohnheiten zu erkennen und schrittweise zu verändern.
Häufige Anwendungsbereiche:
- Depressionen
- Angststörungen
- Zwangserkrankungen
- Stressbelastung
Kennzeichen:
- Zielorientiertes Arbeiten
- Konkrete Übungen
- Fokus auf Gegenwart und Alltag
Systemische Therapie
Die systemische Therapie betrachtet psychische Probleme im Zusammenhang mit dem sozialen Umfeld. Beziehungen, Kommunikationsmuster und Rollenverteilungen stehen im Mittelpunkt.
Typische Einsatzfelder:
- Familienkonflikte
- Partnerschaftliche Probleme
- Krisensituationen
- Psychische Belastungen im sozialen Kontext
Besonderheiten:
- Ressourcenorientierung
- Perspektivwechsel
- Einbeziehung wichtiger Bezugspersonen möglich
Psychoanalyse
Die Psychoanalyse beschäftigt sich intensiv mit unbewussten Konflikten und frühen Beziehungserfahrungen. Ziel ist es, tief verwurzelte innere Muster bewusst zu machen und zu verstehen.
Häufige Anwendungsbereiche:
- Lang anhaltende seelische Beschwerden
- Wiederkehrende Beziehungsmuster
- Identitäts- und Selbstwertprobleme
Kennzeichen:
- Tiefgehende Selbstreflexion
- Arbeit mit inneren Konflikten
- Meist langfristig angelegt
Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Dieses Verfahren basiert auf psychoanalytischen Grundlagen, ist jedoch stärker auf aktuelle Konflikte und konkrete Probleme ausgerichtet.
Typische Einsatzfelder:
- Depressionen
- Angststörungen
- Psychosomatische Beschwerden
- Beziehungsschwierigkeiten
Besonderheiten:
- Fokus auf gegenwärtige Konflikte
- Zeitlich strukturierter Rahmen
- Verbindung von biografischen und aktuellen Themen
2. Spezialisierte und ergänzende Therapieansätze
EMDR
EMDR wird vor allem zur Verarbeitung belastender oder traumatischer Erinnerungen eingesetzt. Durch strukturierte Reizsetzung soll die Verarbeitung blockierter Erfahrungen unterstützt werden.
Geeignet bei:
- Traumafolgestörungen
- Belastenden Erinnerungen
- Anhaltender innerer Anspannung
Schematherapie
Die Schematherapie richtet sich an Menschen mit wiederkehrenden emotionalen Mustern oder Beziehungsschwierigkeiten. Sie verbindet Elemente verschiedener Therapierichtungen.
Anwendungsbereiche:
- Chronische emotionale Probleme
- Persönlichkeitsnahe Fragestellungen
- Schwierige Beziehungserfahrungen
Hypnotherapeutische Verfahren
Hypnotherapie arbeitet mit fokussierter Aufmerksamkeit, um innere Ressourcen zugänglich zu machen und Veränderungsprozesse zu unterstützen.
Einsatzmöglichkeiten:
- Ängste
- Schlafprobleme
- Stressreaktionen
3. Kreative und körperbezogene Methoden
Kunst- und Musiktherapie
Kreative Verfahren wie die Kunsttherapie oder die Musiktherapie ermöglichen nonverbalen Ausdruck über Bilder, Klänge oder Gestaltung. Besonders hilfreich bei Menschen, denen es schwerfällt, Gefühle sprachlich zu formulieren.
Besonders geeignet bei:
- Traumatischen Erfahrungen
- Emotionalen Blockaden
- Kindern und Jugendlichen
Körperorientierte Therapieformen
Körperbezogene Methoden beziehen Bewegung, Atmung und körperliche Empfindungen bewusst in den therapeutischen Prozess ein.
Ziele:
- Abbau körperlicher Anspannung
- Förderung der Selbstwahrnehmung
- Unterstützung emotionaler Verarbeitung
Therapieformen im Vergleich
1. Anerkannte psychotherapeutische Verfahren
| Verfahren | Schwerpunkt | Typische Einsatzgebiete | Kassenleistung? |
|---|---|---|---|
| Verhaltenstherapie | Denken & Verhalten | Depression, Angst, Zwang | ja |
| Systemische Therapie | Beziehungen & Systeme | Familie, Paare, Krisen | ja |
| Psychoanalyse | Unbewusste Konflikte | Langfristige seelische Probleme | ja |
| Tiefenpsychologische Verfahren | Aktuelle Konflikte & Biografie | Depression, psychosomatische Beschwerden | ja |
2. Spezialisierte, kreative und körperbezogene Verfahren
| Verfahren | Schwerpunkt | Typische Einsatzgebiete | Kassenleistung? |
|---|---|---|---|
| EMDR | Traumaverarbeitung | PTBS, belastende Erinnerungen | Teilweise (im Rahmen anerkannter Verfahren) |
| Schematherapie | Emotionale Muster | Persönlichkeitsnahe Themen | Meist integriert |
| Hypnotherapie | Ressourcenaktivierung | Ängste, Schlafprobleme | Selten |
| Kunsttherapie | Kreativer Ausdruck | Traumata, Kinder & Jugendliche | Selten |
| Musiktherapie | Emotionaler Zugang über Klang | Psychische Belastungen | Selten |
| Körpertherapie | Körperwahrnehmung & Spannung | Stress, psychosomatische Beschwerden | Selten |
Häufige Fragen zu Therapieformen
Wie finde ich die passende Therapieform?
Entscheidend sind Art und Dauer der Beschwerden, persönliche Ziele sowie das eigene Erleben. Ein Erstgespräch mit einer Therapeutin oder einem Therapeuten hilft bei der Einordnung.
Werden alle Therapieformen von der Krankenkasse übernommen?
In Deutschland übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel die anerkannten psychotherapeutischen Verfahren. Ergänzende Methoden werden häufig privat finanziert oder im Rahmen eines Richtlinienverfahrens integriert.
Können verschiedene Therapieformen kombiniert werden?
Ja. Viele Therapeut:innen arbeiten integrativ und verbinden Methoden, um individuell auf die Bedürfnisse ihrer Patient:innen einzugehen.
Wie lange dauert eine Psychotherapie?
Die Dauer variiert je nach Verfahren und individueller Situation. Kurzzeittherapien umfassen meist mehrere Monate, langfristige Verfahren können sich über einen längeren Zeitraum erstrecken.

